Ursachen: Wie entsteht das Raynaud-Syndrom?
Ursächlich für das Abblassen der Finger ist eine anfallsartige Verengung der Blutgefäße in den betroffenen Körperteilen. Dieses wird auch als Vasospasmus bezeichnet; übersetzt bedeutet das etwas wie „Gefäßkrampf“. Durch die plötzliche Verengung des Blutgefäßes, kommt es zu einem reduzierten Bluteinstrom in das nachgelagerte Gewerbe, zum Beispiel in einen Finger. Dieser wird dadurch blass und die Minderversorgung des Gewebes kann zu Schmerzen führen.
Normalerweise versucht der Körper durch diesen Mechanismus, einen Verlust von Wärme zu vermeiden. Bei kaltem Wetter verengen sich die Gefäße zum Beispiel in den Fingern, damit über das Blut keine Wärme an die Umgebung abgegeben wird. Beim Raynaud-Syndrom handelt es sich aber um eine überschießende „unnötige“ Reaktion des Körpers. Das Raynaud-Syndrom wird in eine primäre und eine sekundäre Form unterteilt.
Die primäre Form der Erkrankung tritt „idiopathisch“, das heißt ohne bekannte Ursache auf. Auslöser können zum Beispiel Kälte oder psychischer Stress sein. Das sekundäre Raynaud-Syndrom tritt zusammen mit organisch nachweisbaren Gefäßveränderungen auf. Meistens liegt diesen Gefäßveränderungen eine Grunderkrankung zugrunde.
Dazu gehören:
- Schäden durch Arbeit mit vibrierenden Werkzeugen
- Erkrankungen des Blutes, die das Blut „dicker“ machen: Polyzythämie, Thrombozytose, Paraproteinämien(Plasmozytom, Morbus Waldenström), Kryoglobulinämie, Kälteagglutinine
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit
- Vaskulitiden (Entzündungen der Gefäße, z.B. Thrombangiitis obliterans)
- Kollagenosen: Sklerodermie, systhemischer Lupus erythematodes, Antiphospholipid-Syndrom, Sharp-Syndrom, Sjögren-Syndrom
Ein sekundäres Raynaud-Syndrom kann auch durch die Einnahme von Medikamenten hervorgerufen werden. Als Auslöser sind zum Beispiel Beta-Blocker, Ergotamin oder Bleomycin bekannt.
Symptome: Wie äußert sich das Raynaud-Syndrom?
Das Raynaud-Syndrom lässt sich in seinem Ablauf in drei Phasen unterteilen. Zunächst kommt es zu einem Abblassen der Finger. Durch den verminderten Blutfluss kann es nach einiger Zeit zu Kältegefühlen, Taubheitsgefühlen, abnehmender Bewegungsfähigkeit und Schmerzen kommen. Diese Phase wird auch Ischämie genannt. Anschließend kommt es in der nächsten Phase (Hypoxie) zu einer Blauverfärbung, auch Zyanose genannt. Als Reaktion auf die Minderversorgung des Gewebes weiten sich die Venen im betroffenen Gebiet. Die Venen enthalten sauerstoffarmes Blut, dass bläulicher erscheint als sauerstoffreiches Blut in den Arterien.
In der letzten Phase kommt es zu einer rötlichen Verfärbung der Haut. Wenn der Vasospasmus nachlässt und sich die Gefäße wieder erweitern, kommt es zu einem vermehrten Blutfluss ins Gewebe. Als Reaktion auf die Minderversorgung wird der Blutfluss nun sogar noch erhöht und dadurch kommt es zur typischen rötlichen Färbung. Wie ausgeprägt die drei Phasen vorkommen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. In der klassischen, ausgeprägten Form wird der Farbwechsel auch Tricolore-Phänomen genannt. Die Dauer eines Anfalls kann von wenigen Minuten bis einigen Stunden reichen. Durch die Minderversorgung kann es selten, besonders bei längerem Bestehen der Erkrankung, auch zu einem Absterben des Gewebes kommen. Dann kann sich eine Gangrän entwickeln. In den meisten Fällen sind vom Raynaud-Syndrom die Finger betroffen. Allerdings kann es auch an den Zehen, der Nase oder den Ohren vorkommen.
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Der Name Tricolore-Phänomen ist an die Farbgestaltung der französischen Nationalflagge angelehnt. Diese zeigt die Farben blau, weiß und rot. Wie passend, dass der Erstbeschreiber der Erkrankung Franzose war!
Prävention und Therapie: Das Raynaud-Syndrom behandeln
Prävention: Dem Raynaud-Syndrom vorbeugen
Es gibt aktuell keine präventiven Maßnahmen, die verhindern, dass man an einem Raynaud-Syndrom erkrankt. Trotzdem gibt es einige Verhaltensregeln, die bei einem bestehenden Raynaud-Syndrom helfen können, die Auslöser zu meiden. Im Alltag sollten sich Betroffene vor Nässe und Kälte schützen. Hier helfen dicke Handschuhe und Socken, Mützen und Schals oder auch Taschenwärmer. Regelmäßige Bewegung der betroffenen Körperteile oder auch Massagen können durchblutungsfördernd wirken. Auf das Arbeiten mit vibrierenden Werkzeugen sollte verzichtet werden. Auch ein Nikotinverzicht wird dringend empfohlen. Entspannungstechniken können dabei unterstützen, psychischen Stress als Auslöser zu reduzieren. Falls Medikamente als Ursache in Frage kommen, sollte zusammen mit einem Arzt oder einer Ärztin über eine Umstellung dieser Medikamente nachgedacht werden. Bei einem sekundären Raynaud-Syndrom aufgrund einer anderen Grunderkrankung steht die Behandlung dieser im Vordergrund.
Behandlung: Raynaud-Syndrom behandeln
Neben der Vermeidung von Auslösern und der Behandlung der Grunderkrankung kann Betroffenen auch mittels einer medikamentösen Therapie geholfen werden. Diese wird aber meistens erst bei stark ausgeprägten Formen der Erkrankung eingesetzt. Es kommen vor allem Medikamente in Frage, die eine Gefäßerweiterung bewirken. Das sind zum Beispiel Calciumantagonisten (z.B. Nifedipin, Diltiazem) und durchblutungsfördernde Salben. Sollten diese Medikamente keine Besserung bewirken und eventuell sogar schon Gewebeschäden vorliegen, kann auch eine sogenannte off-label-Therapie mit Prostanoiden, PDE-5-Hemmern oder Endothelinantagonisten versucht werden.
Dr. med. Karoline Jungclaus empfiehlt: Das hilft beim Raynaud-Syndrom wirklich
Die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf praktizierende Dermatologin Dr. med. Jungclaus erklärt, was ihren Patient:innen wirklich geholfen hat.
- Schützen Sie betroffene Körperteile gut vor Nässe und Kälte. Handschuhe, Socken, Mützen und Schals können schon vorbeugend sein.
- Die regelmäßige Bewegung oder Massage der betroffenen Körperteile fördert die Durchblutung.
- Betroffene sollten dringend und sehr strikt auf einen Nikotinkonsum verzichten!
- Auch psychischer Stress kann ein Auslöser des Raynaud-Syndroms sein. Sie können versuchen durch Entspannungsübungen Ruhe in Ihren Alltag zu bringen.

„Die Triggerfaktoren zu erläutern, kann den betroffenen Patienten mit Raynaud Syndrom, schon deutlich den Umgang mit der Erkrankung erleichtern. Aber falls die Verfärbung der Finger trotzdem noch häufig auftritt, kann der Facharzt mit einer spezifischen Therapie helfen.“
-Dr. med. Karoline Jungclaus